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Foster Homes

Wir unterstützen verschiedene Heimfamilien (siehe oben).

Zusammensetzung der Familien
Die neun von Bulungi e.V. unterstützten Heimfamilien setzen sich unterschiedlich zusammen: 
Bei den Pflegeeltern handelt es sich etwa zur Hälfte um verheiratete Paare, zur anderen Hälfte um allein stehende - verwitwete oder geschiedene - Frauen.
Einige der Heimeltern haben selbst ein oder mehrere leibliche Kinder. Alle kümmern sich aber auch um mehrere Pflegekinder, die zum Teil aus der eigenen direkten oder erweiterten Verwandtschaft stammen, zum Teil auch von außerhalb der Familie. In manchen Heimen leben bis zu 58 (!) Pflegekinder.

Anders als in Waisenhäusern leben die Kinder in den Heimfamilien mit den Pflegeeltern zusammen wie eine richtige Familie. Sie fühlen sich als vollwertige Familienmitglieder und finden Sicherheit, Anerkennung und Geborgenheit.
Auch erhalten sie Nahrung, Kleidung und Zugang zu Bildungseinrichtungen.
Die Pflegefamilien müssen jedoch selbst für den Unterhalt der Kinder sorgen und bekommen keinerlei staatliche Unterstützung. 
Auf den Schultern der Heimeltern liegt - insbesondere in kinderreichen Heimfamilien - somit eine riesige finanzielle Last, die mit den insgesamt meist geringen Einkünften gar nicht bzw. nur unter Mühen und mit großen Abstrichen zu bewältigen ist.
Der Standard ist in fast allen Familien erschreckend niedrig und nicht mit unserer verklärten Vorstellung von exotischen und zwar einfachen, insgesamt aber doch zweckmäßig ausgestatteten Waisenhäusern zu vergleichen.
Der Standard ist aktuell in den meisten der Häuser immer noch so niedrig, dass sich vorerst nicht einmal die Frage der "Zweckmäßigkeit" stellt - dazu fehlt einfach zu viel.

Die Kinder, die in einer Familie zusammen leben, verstehen sich alle als Geschwister, auch wenn sie keine Blutsverwandte sind. Ebenso sprechen auch die Pflegeeltern von allen Kindern gleichermaßen als ihren Söhnen und Töchtern.

Hintergrund der Pflegekinder
Alle Kinder verbindet, dass ihre eigenen Eltern sich nicht selbst um sie kümmern können. Im schlimmsten Fall sind sie entweder schon gestorben oder schwer erkrankt und bettlägerig. Eine häufige Ursache hierfür ist HIV/AIDS.
In anderen Fällen hat ein Elternteil die Familie verlassen und der andere - überfordert damit, für alle Kinder zu sorgen - sieht sich gezwungen, ein oder mehrere Kinder in die Obhut anderer Menschen zu geben.
Oft haben Kinder auch noch beide Eltern, können jedoch nicht bei ihnen leben, weil sie zu arm sind, um angemessen für die Kinder sorgen zu können.
Weitere Problematiken, die immer wieder vorkommen, sind Alkoholismus der Eltern, oft gepaart mit häuslicher Gewalt, sowie Obdachlosigkeit.
In der Obhut unserer Heimfamilien befinden sich auch mehrere Kinder, die von ihren Eltern bei fremden Personen zur kurzen Beaufsichtigung abgegeben und dann nie mehr abgeholt wurden oder anderweitig im Stich gelassen wurden.
In Extremfällen, die uns bekannt wurden, entgingen Kinder nur knapp einem Giftmordanschlag durch Verwandte oder haben eine Vergewaltigung duchlitten.

Auswirkungen
Durch die extremen Bedingungen und Situationen, in denen sich viele Kinder und Jugendliche vor ihrer Aufnahme in eine der Heimfamilien befunden haben, sind einige von ihnen stark traumatisiert. Durch psychologische Betreuung versucht man, diese Traumata mit der Zeit zu lösen, aber nicht bei allen Kindern führt dies schnell zum Erfolg. Während einige ihr altes Leben gut wegstecken können, brauchen andere Jahre, um wieder Vertrauen zu Menschen fassen zu können. In extremen Fällen haben die Traumata zu Wachstums- und Entwicklungsverzögerungen und zu Sprachverlust oder Verstummung geführt. Die betreffenden Kinder lachen kaum oder gar nicht und können Berührungen nicht gut ertragen. Ein weiteres Anzeichen für schwere Traumata ist nächtliches Einnässen.

Erziehung
Die meisten Pflegeeltern sind, wie die Mehrzahl der Menschen in Uganda, sehr christlich und geben diesen starken Glauben auch an ihre Pflegekinder weiter. 
In den meisten Heimen gibt es eine abendliche Gebetsstunde (Praising/Devotion) als festen Bestandteil des Tagesablaufs. In dieser Zeit wird zum Lob Gottes und Jesu gemeinsam gebetet, gesungen, getrommelt und getanzt. Als Außenstehender an diesem Abendgebet teilzunehmen ist immer ein besonderes und mitreißendes Erlebnis, da daran nichts aufgesetz oder erzwungen ist, sondern die Kinder merklich Freude und Begeisterung daran haben.

In den meisten Heimen wird großer Wert auf Schule und Bildung gelegt und die Kinder nach den zur Verfügung stehenden Möglichkeiten gefördert. Diese sind jedoch oft spärlich und unzureichend. Vor allem an Schulbüchern ("text books"), die jedes Kind selbst anschaffen muss, mangelt es, so dass die Kinder kaum Möglichkeiten haben, den im Unterricht erarbeiteten Stoff zu Hause noch einmal in Ruhe durchzugehen und zu verstehen. Sie müssen sich auf ihr Gedächtnis verlassen und ggf. das, was ins Heft notiert wurde.

Werte wie Ehrlichkeit, Rechtschaffenheit, Respekt und Disziplin werden in den Heimen vermittelt. Zu kleineren Aufgaben im Haushalt und Botengängen werden alle Kinder schon frühzeitig herangezogen.

Im Vergleich zu Kindern in Deutschland werden Kinder in Uganda dennoch später selbstständig. Zugunsten des Respekts gegenüber älteren und reiferen Personen werden Selbstständigkeit und Selbstbewusstsein auch nicht so stark und frühzeitig gefördert.

Individualität
Da in den meisten Familien sehr viele Kinder leben, zählt die Individualität des einzelnen nicht so viel wie hierzulande. Die Pflegeeltern bemühen sich zwar, die Kinder in ihrer Individualität wahrzunehmen, doch die Umsetzung ist unter den gegebenen Bedingungen oft schwer. In erster Linie geht es darum, ausreichend Nahrung und Kleidung für alle Kinder zur Verfügung stellen zu können und die Möglichkeit zu haben, sie regelmäßig zur Schule zu schicken. Persönliche Wünsche und Vorstellungen der Kinder treten dadurch erst einmal in den Hintergrund. Nicht alle Anliegen können sofort berücksichtigt werden.

Oft erleben die Kinder durch eine Patenschaft und die lieben und aufmunternden Briefe ihrer Paten zum ersten Mal, dass sie als individuelle und einzigartige Persönlichkeiten wahrgenommen werden. Sie genießen es, bei ihrem Paten "etwas Besonderes" zu sein - ein Gefühl, das sie in ihrer häuslichen Umgebung und mit so vielen Geschwistern nicht entwickeln können und das ihnen für ihr tägliches Leben viel Kraft gibt.