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AIDS

In Afrika lebt ein Großteil der weltweit 13 Mio. Kinder, die AIDS zu Waisen gemacht hat.
Diese Zahlen werden noch bis ins Jahr 2010 weiter ansteigen. Bis zu diesem Zeitpunkt werden ein Drittel aller afrikanischen Kinder Waisen sein.
Der Bedarf dieser Waisenkinder an psychologischer Hilfe bereitet zunehmend Sorgen.
Die AIDS Epidemie hat auf vielerlei Art und Weise die gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Strukturen Afrikas zerstört und aus einer ganzen Generation von Kindern Waisen gemacht.
 
Obwohl Spendenorganisationen anfänglich die Notlage der Waisenkinder als eine nur kurzfristige Katastrophensituation eingestuft haben, erkennen sie nun die langfristigen Folgen für die Gesellschaft an, die sich daraus ergeben, dass afrikanische Kinder ohne die Liebe und Zuwendung ihrer Eltern aufwachsen.
Die potentielle Gefahr, dass sich aus diesen Kindern Erwachsene mit sozialen Defiziten entwickeln, welche die bereits durch AIDS geschwächten Gesellschaften noch weiter destabilisieren könnten, hat die Dringlichkeit noch erhöht, effektive Lösungen für die derzeitige Krise zu finden.
 
Die Waisenkinder in Afrika leiden an immer wiederkehrenden Traumata, angefangen von Krankheit und Tod ihrer Eltern bis hin zu einer Zeit der Armut und des Elends, Unterernährung, Ausbeutung und vielfach auch sexuellem Missbrauch.
Diese schlimmen Erfahrungen ohne die Liebe und Unterstützung einer Familie im Rücken machen zu müssen und ohne die entsprechende Bildung, die dazu beitragen würde, die Situation zu verstehen und über die unglücklichen Umstände hinauszuwachsen, setzt die Waisenkinder dem Risiko aus, antisoziale Verhaltensmuster zu entwickeln, welche die Gemeinschaft und auch die nationale Entwicklung gefährden können.
 
Wer kümmert sich um diese Waisen? Da die Epidemie hauptsächlich erwachsene Todesopfer fordert, sind die meisten Waisenkinder nun völlig von ihren alten, oft auch armen und schwachen Großeltern abhängig.
Studien zur Bevölkerungsentwicklung deuten an, dass für die nächste Generation von AIDS Waisen weit weniger Großeltern zur Verfügung stehen werden, um sich um die Kinder zu kümmern. Wenn es keine Großeltern gibt, bleibt es meist den älteren Geschwistern überlassen, für ihre jüngeren Geschwister zu sorgen.
 
In der Anfangszeit der Waisenkrise waren viele wohlmeinende, nicht staatliche Organisationen schnell bei der Hand, Waisenhäuser zu bauen. Dieser Ansatz war jedoch nur ein Tropfen auf einem heißen Stein, wenn man die Größe des Problems bedenkt.
Während der Trend kleine, auf einem Familienverband basierende Heime einzurichten, einige der nachteiligen psychologischen und sozialen Auswirkungen auf die Kinder verringert hat, die man mit einer Institutionalisierung assoziiert, haben Kinderheime auch traditionelle Modelle der Kindererziehung untergraben und Kinder ihren Familien und ihrer Kultur entfremdet.
 
Dies spielt besonders in Afrika eine Rolle, wo die spirituelle Verbindung eines Kindes zu seiner Familie und zu seinem Clan im Mittelpunkt der sozialen Entwicklung steht und hilft, seinen Platz in der Gesellschaft zu finden.
 
Wenn man die Ausmaße dieses Problems betrachtet und die Armut, die vielen Gemeinden zu schaffen macht, dann ist es ganz erstaunlich, dass die meisten Waisen in Afrika in erweiterte Familienverbände aufgenommen wurden. Diese bilden die Grundlage für das tief verwurzelte Geflecht verwandtschaftlicher Beziehungen, das so charakteristisch für Afrika ist.
 
Internationale Organisationen und nationale Politik erkennen nun, dass die erweiterte Familie mit Unterstützung der sie umgebenden Gemeinde die beste Möglichkeit darstellt, für die Waisen zu sorgen und möglicherweise die einzig gangbare und langfristig aufrechtzuerhaltende Lösung ist, um dem Problem der Massenverwaisung zu begegnen.
 
Die erweiterte Familie bietet dem Waisenkind Kontinuität, emotionale Unterstützung und eine sichere Umgebung. Ihr Funktionieren ist nicht von größeren von außen kommenden finanziellen Mitteln abhängig. Und was für Afrika am wichtigsten ist: Sie lässt zu, dass Kinder sich innerhalb ihrer eigenen Familie, Kultur und Tradition entwickeln.
 
Dennoch sind diese erweiterten Familien wachsendem Druck ausgesetzt, in Folge der hohen Sterblichkeit von Erwachsenen, der steigenden Anzahl von Waisen und der zunehmenden Verarmung.
 
Unterstützung für die erweiterten Familien muss gleichzeitig an Unterstützung bei der schulischen Ausbildung gekoppelt sein. Schulische Bildung ist der Schlüssel zur Sozialisierung der Kinder und zur Wiedergewinnung von Selbstbewusstsein.
Mit Hilfe einer Schulausbildung können die Waisen später eine gut bezahlte Arbeit finden, das Risiko der Ausbeutung minimieren und auch das Risiko, sich selbst mit HIV zu infizieren.
 
Allerdings zwang die Schuldenkrise der 1980er Jahre und der fehlgeschlagene Versuch der Weltbank, durch strukturelle Anpassungen Abhilfe zu schaffen, viele afrikanische Staaten dazu, Schulgebühren einzuführen, um entstandene Kosten wieder auszugleichen.
 
Dies bewirkte, dass viele arme Kinder vom Schulunterricht ausgeschlossen wurden. Erweiterte Familien sehen die hohen Schulgebühren als einen Hauptfaktor bei der Entscheidung an, kein weiteres AIDS Waisenkind bei sich aufzunehmen.
 
Allgemeiner und freier Zugang zu qualitativer Schulbildung hätte tiefgreifende und dauerhafte Auswirkungen auf die wirtschaftliche und soziale Entwicklung afrikanischer Staaten und würde viel dazu beitragen, die Auswirkungen von HIV und AIDS auf Waisen und Kinder zu mildern.
 
Solch eine Schulbildung ist durchführbar. Im Jahr 1997 schätzte die Organisation UNICEF die jährlichen Kosten, die dafür benötigt werden, um allen Kinder in ganz Afrika eine Grundschulbildung zu ermöglichen auf 1,9 Mrd. $. Das ist in etwa ebensoviel wie jedes Jahr von Menschen aus westlichen Industrienationen für Sony Playstations ausgegeben wird.
 
Maßnahmen, die nur die HIV Infektion als solche angehen, z. B. mit der Verteilung von Medikamenten, aber die schwer zu handhabende Armut der Bevölkerung und das soziale Elend völlig unbeachtet lassen, mit denen die Bevölkerung Afrikas zu kämpfen hat, werden keine dauerhafte, gute Lösung zum HIV Problem anbieten können.
 
Der afrikanische Kontinent benötigt Mittel und Ressourcen in massivem Ausmaß, um gegen die Epidemie vorgehen zu können und die Schuldenlast zu tilgen, um Investitionen zu sichern und die afrikanische Wirtschaft anzukurbeln.
 
Dies ist die einzige Möglichkeit wie wir eine ganze Generation afrikanischer Kinder, die von AIDS betroffen sind durch ihre Schulzeit bringen- und sie für eine bessere Zukunft wappnen können.
 
 

[Dieser ursprünglich englischsprachige Artikel wurde uns im März'03 von Mrs. Ruth Mirembe, Beth. Int. Ug. zur Verfügung gestellt]